Flüchtling der RSB wurde zurück nach Albanien abgeschoben

 
Flüchtling

Albaner darf nicht nach Mülheim zurückkehren

Marcel Dronia

 
 

Mülheim.   Der Mülheimer Matthias Fischer fühlt sich bei der Unterstützung des im Januar abgeschobenen 17-jährigen Flüchtlings im Stich gelassen.

 

Der Mülheimer Matthias Fischer (58) ist frustriert. Der lange von ihm unterstützte Klajdi Duzha aus Albanien darf nicht nach Deutschland zurückkehren. Es liegt kein Härtefall vor, sagt das zuständige Ministerium. Eine Adoption soll die letzte Rettung werden.

Ende Januar war der 17-Jährige in seine Heimat abgeschoben worden. Seitdem hat Fischer alle Hebel in Bewegung gesetzt, um den Jugendlichen wieder nach Deutschland zu holen. Denn hier attestiert der 58-Jährige ihm größere Chancen auf eine erfolgreiche Zukunft. „Der Junge ist hochintelligent und niemand, der dem Staat auf der Tasche liegen möchte“, begründet Fischer sein Engagement. Er beschreibt seinen Schützling als lernwillig und wissbegierig, er habe gute Chancen auf einen Ausbildungsplatz bei Siemens gehabt.

In Albanien allerdings hat die Familie kein Einkommen. Die Eltern wollen bald nach Griechenland ziehen, da sie dort größere Chancen auf einen Job haben. Fischer hat in diesem Jahr bereits 1000 Euro nach Albanien überwiesen – auch für Klajdis Mutter, die öfters unter Krampfanfällen leidet. Auch seine ehemalige Schulklasse hat 180 Euro gesammelt. „Von dem Geld steckt sich der Staat aber Einiges an Steuern ein, und ich möchte dieses korrupte Land nicht unterstützen“, betont Fischer. Stattdessen hat er seinem Schützling einen Laptop besorgt und schickt ihm über das Internet Aufgaben und eingescannte Seiten aus Schulbüchern zu. „So kann er den Unterricht wenigstens halbwegs fortführen“, sagt der 58-Jährige. Denn seit zwei Monaten kann Klajdi nicht zur Schule gehen.

Mülheimer wollte eine Bürgschaft hinterlegen

Das Gefühl, der 17-Jährige könnte dem deutschen Staat finanziell zur Last fallen, möchte Matthias Fischer vehement widerlegen. Der Mülheimer versuchte sogar, eine Bürgschaft zu hinterlegen, um für sämtliche Kosten aufzukommen. „Ich bekomme aber immer mehr das Gefühl, dass man privat niemandem helfen darf, sondern nur Steine in den Weg gelegt bekommt“, ärgert sich Fischer.

Er kontaktierte sogar den Mülheimer Bundestagsabgeordneten Arno Klare (SPD). Vom nordrhein-westfälischen Ministerium für Inneres und Kommunales erhielt Fischer aber eine Absage. Da kein Härtefall vorliegt, wird die Abschiebung nicht rückgängig gemacht. Ähnlich hatte sich im Januar bereits Mülheims Stadtsprecher Volker Wiebels geäußert. Er sagte: „Die Familie kommt aus einem sicheren Herkunftsland. Im Einzelfall tut es uns für die Ehrenamtlichen leid, aber das ist unser Rechtsstaat. Wir hatten keine andere Möglichkeit als abzuschieben.“

Und nun? Als letzte Rettung bleibt Matthias Fischer nur noch die Adoption. Die müsste von den Eltern in Albanien allerdings bereits vorbereitet werden. Die Mitarbeiter der Albanien-Hilfe werden den Saarner bei diesem Vorhaben unterstützen. „Es ist schade, dass die Gesetze einem solche Schwierigkeiten bereiten. Aber für mich ist er bald wie ein eigener Sohn, den gibt man nicht so einfach auf“.

Dem 17-Jährigen fehlt vor allem die Schule

Seit zwei Monaten lebt Klajdi Duzha nun wieder in Albanien. Diese Zeitung hat den 17-Jährigen in seiner Heimat kontaktiert. „Mir geht es zurzeit nicht gut“, erzählt er. Vor allem die Tatsache, dass er nicht zur Schule gehen kann, macht ihm zu schaffen. „Ich will so schnell wie möglich wieder nach Mülheim kommen, um die neunte Klasse weiterzumachen. Hier habe ich die Möglichkeit nicht und ich weiß nicht, wie es mit mir weitergehen soll“, sagt Duzha. „Ich will in meinem Leben jemand werden und will mir eine sichere und gute Zukunft aufbauen. Das kann man nur durch die Schule erreichen, und ich habe hier diese Möglichkeit dazu nicht.“

Mit Matthias Fischer steht der 17-Jährige im ständigen Kontakt. „Er versucht jetzt alles für meine Rückkehr.“